Head Coach Kai Schlegel über den Neustart von Frankfurt Universe
Am kommenden Sonntag startet die Herrenmannschaft von Frankfurt Universe in die neue Saison der Landesliga Mitte. Nach dem Rückzug der GFL-2-Mannschaft Ende 2023 beginnt damit ein komplett neues Kapitel in der Geschichte des Vereins.
Im Interview spricht Head Coach Kai Schlegel über den emotionalen Neustart, den Aufbau der neuen Mannschaft, die Rolle der Jugend und die Ziele für die kommende Saison.
Kai, nach dem Rückzug der GFL-2-Mannschaft 2023 startet Frankfurt Universe jetzt mit einem Neustart in der Landesliga. Wie emotional und gleichzeitig herausfordernd war dieser Weg bisher?
Für mich persönlich ist dieser Neustart eine echte Herzensangelegenheit. Als Spieler der ersten Stunde und später als Coach habe ich den Weg von Frankfurt Universe seit 2007 bis in den German Bowl begleitet. Irgendwann einmal Head Coach dieses Teams zu werden, war immer ein persönlicher Wunsch.
Gleichzeitig ist ein Neustart natürlich eine enorme Herausforderung. Als wir im vergangenen Oktober begonnen haben, konnte niemand sicher sagen, ob diese Idee überhaupt realistisch umsetzbar ist: Finden wir genügend Coaches? Finden wir Spieler? Können wir in so kurzer Zeit ein funktionierendes und spielfähiges Team aufbauen?
Heute können wir sagen: Die erste große Hürde haben wir genommen. Wir haben eine Mannschaft aufgebaut, die spielfähig ist und gemeinsam an einem Ziel arbeitet. Darauf können wir stolz sein – auch wenn die eigentliche Arbeit jetzt erst richtig beginnt.
Was bedeutet dieser Neustart für dich persönlich und für den gesamten Verein?
Als wir im Herbst 2007 mit einer Gruppe von Spielern praktisch bei null angefangen haben, konnte niemand ahnen, welche Geschichte daraus entstehen würde. Die Entwicklung von Frankfurt Universe kennt heute jeder Football-Fan in Deutschland.
Die Situation heute erinnert in vielerlei Hinsicht an damals – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Der Verein verfügt mittlerweile über gewachsene Strukturen, eine hervorragende Jugendarbeit und damit über einen nachhaltigen Unterbau, den es damals noch nicht gab.
Für den Verein ist dieser Neustart deshalb enorm wichtig. Gerade aufgrund unserer starken Jugendarbeit war es immer unser Anspruch, jungen Spielern auch nach ihrer Jugendzeit eine Perspektive im Herrenbereich zu bieten. Nach dem Rückzug vor einigen Jahren war für viele im Verein klar: Früher oder später muss es wieder eine Herrenmannschaft von Frankfurt Universe geben.
Mit welcher Philosophie wollt ihr die neue Herrenmannschaft aufbauen?
Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir wieder erfolgreich Football spielen wollen – aber auf einer soliden und nachhaltigen Basis.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Integration unserer Jugendspieler, die Entwicklung regionaler Talente und der Aufbau eines stabilen Fundaments für die Zukunft. Unser Ziel ist es, eine Struktur zu schaffen, die langfristig funktioniert und verhindert, dass sich Fehler der Vergangenheit wiederholen.
Gleichzeitig erwarten wir von allen Beteiligten ein hohes Maß an Einsatz, Verlässlichkeit und Ehrgeiz. Im Gegenzug schaffen wir Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten, die nicht selbstverständlich sind. Wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, bin ich überzeugt, dass wir unsere Ziele erreichen können.
Wie wichtig war es in den vergangenen Monaten, wieder eine neue Identität und Kultur innerhalb des Teams zu entwickeln?
Das war enorm wichtig. Ein gewachsenes Team bringt oft bereits eine bestehende Identität und Kultur mit – neue Spieler fügen sich in vorhandene Strukturen ein. Wir mussten diese Identität erst gemeinsam entwickeln.
Ich glaube, das ist uns bisher sehr gut gelungen. Jeder, der sich entschieden hat, Teil dieses Neustarts zu werden, hat sich bewusst auf eine ungewisse Reise eingelassen – mit der gemeinsamen Vision, Frankfurt Universe wieder nach vorne zu bringen. Das verbindet und schweißt zusammen.
Wir legen großen Wert auf Disziplin, Verlässlichkeit und Vertrauen. Das sind aus meiner Sicht Grundvoraussetzungen für erfolgreichen Football. Wer nicht bereit ist, diesen Weg mitzugehen oder den notwendigen Ehrgeiz mitbringt, wird sich bei uns langfristig vermutlich nicht wohlfühlen.
Worauf habt ihr in der Vorbereitung den größten Wert gelegt — eher auf sportliche Grundlagen oder auf den Teamzusammenhalt?
Beides lässt sich aus meiner Sicht kaum voneinander trennen. Gemeinsames Training, gemeinsame Herausforderungen und ein gemeinsames Ziel schaffen automatisch Zusammenhalt.
Natürlich lag ein großer Fokus darauf, die sportlichen Grundlagen zu schaffen: Spieler fit zu bekommen, technische Fähigkeiten zu vermitteln und sie individuell besser zu machen. Gleichzeitig entsteht Teamchemie nicht durch Worte, sondern durch gemeinsame Arbeit. Wenn man gemeinsam trainiert, Rückschläge verarbeitet und Fortschritte macht, wächst man automatisch als Team zusammen.
Viele Fans verbinden Universe noch mit den erfolgreichen Jahren in höheren Ligen. Wie schafft man den Spagat zwischen Tradition, Erwartungen und Neuanfang?
Die erfolgreichen Jahre in der GFL bleiben ein wichtiger Teil der Geschichte von Frankfurt Universe. Damals war das Team mit Nationalspielern, deutschen und europäischen Top-Athleten sowie amerikanischen Spielern mit teils NFL-Erfahrung besetzt. Das war eine außergewöhnliche Zeit.
Gleichzeitig muss jedem bewusst sein, dass wir heute in einer völlig anderen Situation sind. Wir starten in der Landesliga und bauen eine Mannschaft neu auf. Wir sind aktuell ein Verein wie viele andere auch: mit Spielern, die sich entwickeln wollen, und einem Team, das wachsen muss.
Deshalb sollten die Erwartungen realistisch bleiben. Unser Anspruch ist es, guten Football zu spielen und uns kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wo wir sportlich tatsächlich stehen und wie konkurrenzfähig wir bereits sind, wird die Saison zeigen.
Aber natürlich wäre es unehrlich zu sagen, dass wir keine Ambitionen haben. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst als Coach und auch an unsere Mannschaft. Ich möchte jedes Spiel gewinnen und am Ende möglichst erfolgreich sein. Gleichzeitig wissen wir, dass Erfolg nicht versprochen werden kann – er muss erarbeitet werden.
Welche Rolle spielen junge Spieler und regionale Talente im aktuellen Kader?
Eine sehr zentrale Rolle. Unsere Jugendarbeit ist die Basis für die Zukunft des Vereins. Dass alle Jugendteams im vergangenen Jahr Meister geworden sind, zeigt, dass Frankfurt Universe eine sehr gute Adresse für die Ausbildung junger Spieler ist.
Es wäre fahrlässig, diese Entwicklung im Herrenbereich nicht konsequent fortzuführen. Deshalb setzen wir bewusst auf die Integration unserer Jugendspieler und die Entwicklung regionaler Talente.
Langfristig macht genau das einen Verein stabil und unabhängig von äußeren Faktoren. Es wird immer stärkere und schwächere Jahrgänge geben, aber mit einer guten Ausbildung und klaren Strukturen schafft man die Grundlage dafür, dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben.
Was wird entscheidend sein, damit sich das Team in der Landesliga Mitte direkt konkurrenzfähig präsentiert?
Kontinuität im Training wird entscheidend sein. Football ist ein Sport, in dem Timing, Kommunikation und Abstimmung enorm wichtig sind. Viele Dinge entwickeln sich nur durch Wiederholung und gemeinsame Erfahrung.
Je häufiger ein Team zusammenarbeitet, desto besser werden Abläufe, Entscheidungsfindung und Fehlervermeidung. Genau deshalb wird kontinuierliches und diszipliniertes Training immer die Grundlage für sportlichen Erfolg sein.
Welche Ziele habt ihr euch für die erste Saison dieses neuen Kapitels gesetzt — unabhängig von Tabellenplätzen?
Das wichtigste Ziel ist, die Herrenmannschaft von Frankfurt Universe nachhaltig zu etablieren und ein stabiles Fundament für die kommenden Jahre zu schaffen.
Wir wollen eine klare Teamkultur entwickeln, unsere Spieler individuell besser machen und als Mannschaft Woche für Woche wachsen. Wenn wir am Ende der Saison sagen können, dass wir uns sportlich weiterentwickelt haben, als Team zusammengewachsen sind und eine stabile Basis geschaffen haben, dann wäre das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Natürlich wollen wir guten Football spielen – und jeder, der Football betreibt, möchte Spiele gewinnen. Aber nachhaltiger Aufbau steht für uns aktuell klar im Vordergrund.
Was möchtest du den Fans mitgeben, die Frankfurt Universe trotz der schwierigen vergangenen Jahre weiterhin unterstützen?
Zunächst einmal ein großes Dankeschön. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, was echte Unterstützung bedeutet – und viele Fans sind Frankfurt Universe trotz aller Herausforderungen treu geblieben.
Ich hoffe, dass wir wieder zahlreiche und lautstarke Unterstützung erleben dürfen. Jeder Spieler weiß, welchen Unterschied Fans machen können. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, vor tausenden Zuschauern zu spielen: Diese Energie trägt dich, motiviert dich und gibt dir gerade in engen Situationen noch einmal zusätzliche Kraft.
Und auch sportlich macht Unterstützung einen Unterschied. Wenn eine Defense spürt, dass die gegnerische Offense bei lautstarker Stimmung Probleme in der Kommunikation bekommt, kann das ein echter Vorteil sein.
Unsere „lila Familie“ hat uns damals durch viele Jahre getragen – und ich hoffe sehr, dass wir gemeinsam wieder ähnliche Momente erleben werden.
Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 22.05.2026 um 09:57 von:
Marc Gräff
https://www.afc-universe.de
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