Sportlicher Leiter Marc-Philipp Gräff über den Neustart der Herrenmannschaft, die Entwicklung von Frankfurt Universe und die Vision für die Zukunft

Nach dem Interview mit Head Coach Kai Schlegel folgt heute die Perspektive der sportlichen Leitung von Frankfurt Universe.

Sportlicher Leiter Marc-Philipp Gräff spricht über den aktuellen Aufschwung des Vereins, die Bedeutung der Jugendarbeit, die Reaktivierung der Herrenmannschaft und die langfristige Vision für Frankfurt Universe.

Marc, mit dem Neustart der Herrenmannschaft beginnt für Frankfurt Universe ein neues Kapitel. Wie würdest du den aktuellen Stand des Vereins insgesamt beschreiben?

Ich würde sagen, dass sich der Verein momentan insgesamt in einer echten Aufbruchsstimmung befindet – nicht zuletzt durch die reaktivierte Herrenmannschaft.

Bereits kurz nach der Corona-Zeit begann unsere Jugendarbeit wieder deutlich anzuziehen und konnte seitdem kontinuierlich ausgebaut werden. Die drei Jugendmeisterschaften im vergangenen Jahr waren dabei auch ein sichtbares Zeichen dieses Aufschwungs nach außen.

Alle drei Jugendteams zusammen haben aktuell so viele Spieler wie noch nie zuvor in der Geschichte von Frankfurt Universe. Trotzdem soll das erst der Anfang sein. Unser Ziel ist es, mit allen drei Teams langfristig in den höchstmöglichen Spielklassen anzutreten, um unseren Spielern die bestmögliche Ausbildung und Entwicklung zu ermöglichen.

Natürlich läuft noch nicht alles zu hundert Prozent perfekt, aber insgesamt befinden wir uns auf einem sehr guten Weg.

Während viele Football-Organisationen in Deutschland und Europa aktuell mit rückläufigen Spielerzahlen oder sogar dem Rückzug von Teams kämpfen, wächst Frankfurt Universe weiter. Was macht der Verein aus deiner Sicht aktuell richtig?

Das lässt sich pauschal wahrscheinlich gar nicht so einfach beantworten. Sicherlich haben wir in den vergangenen Monaten und Jahren auch von einigen positiven Entwicklungen in Frankfurt und Umgebung profitiert.

Entscheidend war aber vor allem, dass wir nach dem Rückzug der GFL2-Mannschaft 2023 nicht in Hektik verfallen sind. Wir haben uns Schritt für Schritt zurückgearbeitet. Natürlich gab es dabei auch kleinere Rückschläge, aber wir haben unseren Weg konsequent weiterverfolgt.

Ein großer Vorteil ist sicher auch das enorme Potenzial, das die Stadt Frankfurt und das gesamte Rhein-Main-Gebiet bieten. Dieses Potenzial schöpfen wir aktuell noch längst nicht vollständig aus. Gerade an Schulen oder an der Universität sind wir bislang nur punktuell präsent. Genau dort wollen wir künftig noch sichtbarer werden und weitere Potenziale erschließen.

Besonders im Jugendbereich verzeichnet Universe starken Zulauf und sportliche Erfolge. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für die langfristige Zukunft des Vereins?

Die Jugendarbeit ist unser Jungbrunnen. Nur eine aktive und gut aufgestellte Jugend ermöglicht es uns, den notwendigen Nachwuchs für die Herrenmannschaft auszubilden.

Genau darin liegt auch einer der größten Unterschiede zur Vergangenheit. Früher wurden viele Talente aus Hessen oder teilweise sogar dem Ausland geholt, um möglichst schnell maximalen sportlichen Erfolg zu erreichen. Dadurch wurde die Mannschaft zwar sportlich immer stärker, aber das Verhältnis zwischen Frankfurter Spielern und externen Verstärkungen geriet irgendwann aus dem Gleichgewicht.

Gleichzeitig tat sich Universe damals schwer damit, eigene Jugendspieler nachhaltig in die Herrenmannschaft zu integrieren. Solange man sportlich erfolgreich ist, funktioniert so ein Modell häufig. Aber in schwierigeren Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine stabile lokale Basis wirklich ist.

Deshalb wird die Jugendarbeit auch künftig der Kern unserer Vereinsarbeit bleiben.

Wie wichtig war es für die Gesamtorganisation, die Herrenmannschaft wieder zu reaktivieren und damit erneut eine Perspektive für die eigenen Jugendspieler zu schaffen?

Das war extrem wichtig. In den vergangenen Jahren mussten wir einige Talente an andere Vereine verlieren, weil wir ihnen keine Perspektive im Herrenbereich bieten konnten. Noch schlimmer war es, wenn Spieler nach ihrer Jugendzeit komplett mit Football aufgehört haben.

Wir bilden unsere Jugendspieler nicht primär für andere Vereine aus, sondern wollen selbst wieder einen stabilen und nachhaltigen Herrenspielbetrieb aufbauen.

Deshalb arbeiten der Trainerstab der U19 und der Herrenmannschaft inzwischen sehr eng zusammen, um künftig einen möglichst reibungslosen Übergang der Jugendspieler in den Herrenbereich zu ermöglichen.

Du arbeitest eng mit Head Coach Kai Schlegel zusammen. Ihr kennt euch bereits aus gemeinsamen Zeiten als Spieler und Coaches. Wie wichtig ist dieses gegenseitige Vertrauen für den aktuellen Neustart?

Das ist definitiv eine sehr gute Grundlage für die Zusammenarbeit. Wir haben gemeinsam als Spieler und später auch beim Coaching der U19 unglaublich viel erlebt – und dabei immer viel Spaß gehabt.

Es ist natürlich ein Vorteil, wenn man genau weiß, wie der andere denkt und arbeitet. Das sorgt für eine sehr entspannte und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Aber nicht nur Kai und ich haben einen engen Draht. Auch mit Coaches wie Elmar Gemper oder Toni Bogner verbinden uns viele gemeinsame Erfahrungen. Mit Toni habe ich beispielsweise mehrere Jahre in der Hessenauswahl zusammengearbeitet.

Zusätzlich haben wir mit Petra Rüdiger eine Teammanagerin im Team, mit der insbesondere Kai und ich ebenfalls schon lange zusammenarbeiten. Insgesamt herrscht bei uns eine sehr familiäre und angenehme Atmosphäre.

Was zeichnet die Zusammenarbeit zwischen sportlicher Leitung, Coaching Staff und Vereinsführung aktuell besonders aus?

Wir stehen untereinander in einem sehr engen Austausch und arbeiten Schritt für Schritt daran, die kleineren Baustellen zu lösen, die durch die Reaktivierung der Herrenmannschaft entstanden sind.

Ich bin überzeugt, dass wir als Gesamtorganisation im kommenden Jahr noch einmal deutlich stärker aufgestellt sein werden, wenn wir nicht mehr „on the fly“ eine Herrenmannschaft neu aufbauen müssen.

Ein Schwerpunkt wird dabei sicher sein, den Trainerstab weiter auszubauen, um unseren Spielern künftig noch bessere Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können.

Frankfurt ist die bevölkerungsreichste Stadt im Rhein-Main-Gebiet. Welchen Anspruch muss ein Verein wie Frankfurt Universe daraus ableiten?

Unser Anspruch muss es grundsätzlich sein, zu den Top-Organisationen der Region zu gehören.

Allein durch die Größe Frankfurts verfügen wir über enormes Potenzial an möglichen Footballspielern. Dieses Potenzial muss allerdings auch aktiv erschlossen werden.

Im Jugendbereich ist uns das in den vergangenen Jahren bereits sehr gut gelungen. Alle drei Nachwuchsteams gehören mittlerweile zu den größten in Hessen. Außerdem stellte Frankfurt Universe 2025 erstmals das größte Kontingent der Hessenauswahl – darauf sind wir sehr stolz.

Auch sportlich entwickeln sich unsere Teams positiv. Unsere U19 ist neben den beiden hessischen GFL-Juniors-Teams aus Wiesbaden und Bad Homburg aktuell das einzige U19-Team in Hessen, das im 11er-Tackle-Football antritt. Alle weiteren hessischen U19-Teams spielen in der Regel maximal 9er-Tackle-Football, häufig zudem in Spielgemeinschaften.

Natürlich gibt es trotz allem weiterhin Herausforderungen. Gerade im Bereich Sponsoring oder Unterstützung durch stadnahe Unternehmen besteht im Vergleich zu anderen Standorten noch viel Luft nach oben.

Auch infrastrukturell gibt es Potenzial. Ein neuer Football-Kunstrasenplatz in Frankfurt ist bereits fertiggestellt, kann aktuell aber noch nicht genutzt werden, weil notwendige Baumaßnahmen im Umfeld noch nicht abgeschlossen sind. Dieser Platz würde uns künftig zusätzliche Möglichkeiten für Trainingseinheiten, Camps und Spielbetrieb bieten.

Mit Nieder-Eschbach verfügen wir bereits jetzt über ein schönes Stadion im Frankfurter Norden. Perspektivisch wäre bei einer positiven Entwicklung der Herrenmannschaft und eines wachsenden Partnernetzwerks langfristig sicher auch eine Rückkehr ins Stadion am Brentanobad denkbar.

Wo siehst du Frankfurt Universe aktuell im Vergleich zu anderen Football-Organisationen der Region — und wo soll die Reise hingehen?

Im Jugendbereich gehören wir inzwischen definitiv zu den Top-Organisationen in Hessen und wollen uns dort weiterentwickeln.

Auch bei den Mitgliederzahlen gehören wir bereits zu den größeren Footballvereinen der Region und stehen bundesweit insgesamt solide da.

Die Herrenmannschaft musste allerdings praktisch wieder bei null anfangen. Von den Spielern der Jahre 2021 bis 2023 konnten wir nur wenige zurückgewinnen. Deshalb liegt der Fokus der kommenden Jahre darauf, die Herrenmannschaft wieder stabil aufzubauen.

Wenn sich unsere Jugendarbeit weiterhin so positiv entwickelt, bin ich überzeugt davon, dass wir uns langfristig auch ohne große externe Verstärkungen wieder bis in die Regionalliga hocharbeiten können. Das ist zunächst das nächste große Ziel.

Für diese Saison geht es aber erst einmal darum, die Mannschaft zu stabilisieren und eine solide erste Spielzeit zu absolvieren.

Wenn du in drei bis fünf Jahren auf Frankfurt Universe blickst: Wie soll der Verein sportlich, organisatorisch und kulturell wahrgenommen werden?

Ich wünsche mir, dass wir auch in fünf Jahren weiterhin eine der besten Adressen für Jugendfootball in Hessen sind – idealerweise mit einer U19 beziehungsweise U20 in der GFL Juniors und einer U16 im 11er-Tackle-Football.

Außerdem hoffe ich, dass wir unseren Trainer- und Helferstab weiter ausbauen können. Wir brauchen noch mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen und den Verein mittragen. Erst dann ist der nächste große Entwicklungsschritt möglich.

Bezogen auf die Herrenmannschaft wünsche ich mir, dass die Spieler den Leistungsgedanken annehmen, den Kai Schlegel und ich gemeinsam vorleben wollen.

Wir investieren beide unglaublich viel Zeit und Herzblut in diesen Sport. Für uns ist Football weit mehr als nur ein Hobby. Unser Ziel ist es nicht, einfach nur „ein bisschen Football“ zu spielen, sondern langfristig guten und soliden Frankfurter Football „made by Frankfurt Universe“ anzubieten.

📸tobiasfotowelt (links), Chris Haas Sportpics 2 (rechts) und Jessica Pielsticker (Mitte)


Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 23.05.2026 um 20:04 von:
Marc Gräff
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